Besuch einer Gerichtsverhandlung am Landgericht Coburg

 

Wie in den vorherigen Jahren nahmen die Schülerinnen und Schüler der beiden Q11-Kurse Wirtschaft und Recht auch im Schuljahr 2011/2012 an einer Gerichtsverhandlung teil.

Begleitet wurden die wissbegierigen Pennäler von ihren Lehrkräften Peter Jakob und Bastian Lechner.

Für viele war es die erste Begegnung mit einem Gerichtssaal – und das merkte man den Heranwachsenden auch an. Mit großen Augen und schnell umherschweifenden Blicken betraten sie fast ehrfürchtig das Gerichtsgebäude, einige Schüler wirkten still und in sich gekehrt. Nach dem Passieren der Sicherheitskontrolle ging es in den modernen Sitzungssaal H, das „Wohnzimmer“ von Richter Gerhard Amend.

Herr Amend begleitet die Schüler des FWG bereits seit knapp drei Jahren. Die Schüler schätzen seine Menschlichkeit, seine humorvolle, ehrliche und aufgeschlossene Art. Er versteht es, die Komplexität juristischen Arbeitens, sei es in der Beweisaufnahme, bei der Zuordnung einzelner Tatbestandsmerkmale der Gesetze zur jeweiligen Straftat oder auch bei der Urteilsfindung, auf das Einfache reduziert darzustellen.

Immer wieder nimmt er sich Zeit, auch während der Verhandlung, um den Schülern seine Vorgehensweise zu erläutern. Für ihn sei das sehr wichtig, da „Rechtssprechung und Gerechtigkeit nahe am Volk stattfinden müssten“. Er ist in seiner Urteilsfindung stets bemüht nicht nur Recht zu sprechen, sondern auch Gerechtigkeit walten zu lassen.

Davon konnten sich die Schüler Anfang März dieses Jahres überzeugen. Verhandelt wurde an jenem Tag „Schwere Körperverletzung in mehreren Fällen“. Fast zwei Stunden lang befragte der Richter zwei Angeklagte. Zum Zwecke der Beweisaufnahme beleuchtete er akribisch genau das Vorleben sowie die Motive der beiden Beschuldigten. Dies sei für ihn sehr wichtig, da sich gerade in den unterschiedlichen Lebensgeschichten und Beweggründen von Tätern das letztendliche Strafmaß finden ließe. „Man könne ja nicht jede Körperverletzung sofort mit der im Gesetz geforderten Höchststrafe ahnden“, merkt er an.

Daran wurde den Schülern auch der im Lehrplan der bayerischen Oberstufe enthaltene Punkt „Gerechtigkeit“ deutlich. „Neben der Gleichheit vor dem Gesetz, die fordert ’gleiche Taten seien gleich zu behandeln’ existiere eben auch der Grundsatz der Zubilligung von besonderen Umständen“ stellte Richter Amend klar.

Allgemein decken Gerichtsverhandlungen viele Lehrplaninhalte ab, wie etwa die Voraussetzungen für die Strafbarkeit, Grundsätze der Strafzumessung oder auch die verschiedenen Strafzwecke und Straftheorien.

Deshalb wird dieser Besuch nicht der Letzte in Herrn Amends „Wohnzimmer“ gewesen sein.

 

- Bastian Lechner