Mut haben, Mut machen

„Ich will nicht umsonst gelebt haben“, schreibt Anne Frank am 04. April 1944 in ihr heute weltberühmtes Tagebuch. Dieser Wunsch wurde diese Woche auch am Frankenwald-Gymnasium durch eine bemerkenswerte Aktion auf jeden Fall erfüllt: Anlässlich des „Anne-Frank“-Tages veranstalteten die „Mut-Macher“ des FWG Workshops für die drei 8. Klassen, in denen sie sich mit dieser einzigarten Person beschäftigten und damit ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus und für Demokratie setzten.

 

Um den Schülern einen ersten Eindruck von Anne Franks kurzem Leben zu vermitteln, präsentierten die Mut-Macher zum Einstieg in den Workshop eine Zeichnung des Hauses, in dem sich die Tochter von Otto und Edith Frank aufgrund ihres jüdischen Glaubens über zwei Jahre verstecken musste – ohne es ein einziges Mal zu verlassen. Warum Anne Frank zusammen mit bis zu sieben anderen Menschen auf engsten Raum leben musste, erfuhren die aufmerksam lauschenden Schülerinnen und Schüler anschließend in einem circa 30-minütigen Film, der das Leben der bemerkenswerten jungen Schriftstellerin zusammenfasst: 1929 in Frankfurt geboren, flüchtet die jüdische Anne Frank zusammen mit ihrer Familie 1934 nach Amsterdam, aus Angst vor den Nationalsozialisten.

 

Doch auch dort ist die Familie nicht lange sicher: Annes Schwester Margot Frank soll 1942 in ein Arbeitslager der Nazis gebracht werden. Nun setzt die Familie das um, was sie schon länger geplant hat: Sie verstecken sich im Hinterhaus der Firma von Otto Frank. Was sie dort erlebt und empfindet, schreibt Anne in ihr Tagebuch, das für sie wie eine beste Freundin ist und ihr hilft, mit dieser traumatischen Situation umzugehen. „Ihr Tagebuch ist ein unschätzbar wertvolles Dokument und letztlich der Grund, warum wir wissen, was damals passiert ist", erklärt Mut-Macherin Maren ihren jüngeren Mitschülern die Bedeutung dieser Aufzeichnungen.

 

Doch im August 1944 wird das Versteck der Familie Frank verraten und alle, die dort Schutz vor den Nazis gesucht haben, werden in Konzentrationslager gebracht, wo sie schließlich qualvoll sterben. Lediglich Otto Frank überlebt lange genug, um durch die Alliierten gerettet zu werden. Als er schließlich zum Versteck zurückkehrt, erfährt er, dass seine gesamte Familie tot ist; zumindest gibt es noch das Tagebuch seiner Tochter. So geht Annes Traum, Schriftstellerin zu werden, doch noch in Erfüllung, als ihre Schriften zwei Jahre später unter dem Titel "Im Hinterhaus" veröffentlicht werden.

 

Um diese Erkenntnisse über das Leben Anne Franks zu verarbeiten und auf die Gegenwart zu übertragen, teilten sich die Achtklässler anschließend in Kleingruppen auf. In diesem kleineren Kreis beschäftigen sie sich zusammen mit den Mut-Machern mit Fragen wie "Wo und warum müssen sich Menschen heute verstecken?" oder "Wie könnte man Menschen helfen, die ausgegrenzt werden?" In der anschließenden Präsentation der Ergebnisse beantwortet die 14jährige Vanessa die letzte Frage ganz selbstverständlich: "Toleranz zeigen!"

 

Insofern haben die Mut-Macher ihr Ziel also erreicht. „Dass Antisemitismus, Diskriminierung, Flucht und Verstecken auch heute höchst relevante Themen darstellen, ist den Achtklässern durch den Workshop eindrücklich vor Augen geführt worden“, ist sich Mut-Macherin Franziska sicher. Vor allem aber scheinen die Teenager auch den Mut gewonnen zu haben, denen Mut zu machen, die Ungerechtigkeit erfahren. Damit ist auch der Wunsch von Anne Frank nach einem friedlichen und toleranten Zusammenleben in Erfüllung gegangen: „Sie hat zwar viel zu kurz, aber sicherlich nicht umsonst gelebt“, resümierte Julian aus der Klasse 8a richtig.

 

Um den Anne-Frank-Tag nicht nur am FWG zu thematisieren, sondern ihr Schicksal und ihre Botschaft gleichsam in die Welt hinauszutragen, hatten sich die Mut-Macher zum Abschluss der insgesamt drei Workshops etwas ganz Besonderes einfallen lassen: An farbige Helium-Ballons banden die Schülerinnen und Schüler Anne-Frank-Postkarten mit der Adresse des FWG und ließen sie vom Pausenhof aus in die Luft steigen. Das Ziel: Wer eine der Postkarten findet, schreibt eventuell seine Gedanken zum Anne-Frank-Tag darauf und schickt sie zurück ans Frankenwald-Gymnasium.

 

– Bastian Heinlein