Ein Wunderland im FWG

Auch dieses Jahr schafften es die über 100 Mitwirkenden des Unterstufentheaters, ihr Publikum während der vier Vorführungen von "Alice im Wunderland" zu begeistern.

Der Unterricht bei ihrer strengen Lehrerin will Alice auch im Garten einfach nicht gefallen. Sogar in den Pausen muss sie Vokabeln lernen und für Träumereien sei ohnehin kein Platz. Als ihre Lehrerin gerade neue Unterrichtsmaterialien holt, sieht Alice ein abgehetztes, weißes Kaninchen, das tatsächlich eine Uhr in der Hand hat! Und dann ist es sich auch noch sicher, dass es zu spät kommt. Zu spät wozu eigentlich? Und schon ist das Kaninchen wieder in seinem Bau verschwunden. Soll Alice dem Kaninchen folgen?

 

 Vom Donnerstag, dem 17. März, bis zum Sonntag wurde abends um 19:00 Uhr insgesamt vier Mal das Stück "Alice im Wunderland" am FWG aufgeführt. Dabei schafften es die Darsteller des Unterstufentheaters unter der Leitung von Studienrätin Stefanie Aust, das Publikum zu verzaubern und zu beweisen, dass "Theater" bei Weitem nicht nur Thema im Deutschunterricht ist. Die Schüler der Unterstufe waren auch dieses Jahr wieder so zahlreich engagiert, dass zwei vollkommen unterschiedliche Besetzungen auftreten konnten.

Alice hat sich tatsächlich entschieden, dem Kaninchen zu folgen und landet schließlich vor einer großen, sprechenden Holztüre. Zwischenzeitlich hat Alice ihre Katze verloren, kann diese aber hinter der Tür erkennen. Doch die Tür ist leider "ein extrem verschlossener Typ" und Alice ist nicht groß genug, um an den Schlüssel zu kommen. Die Tür verspricht Alice, sie würde wachsen, wenn sie aus einem ominösen Fläschchen trinkt, doch sie wird dadurch tatsächlich kleiner!

Zum Glück kommt das eilige Kaninchen wieder vorbei und nimmt Alice mit, die aber so traurig ist, dass sie genug weint, um ein ganzes Meer zu füllen. Als die beiden durch das "Meer der Tränen" schwimmen, begegnen sie einem Hummer und einer Schildkröte, die in einem Kochtopf den Fluten entkommen möchten.

Nicht nur hier zeigt sich, dass die Aufführungen schon Musical-hafte Züge haben: Zusammen mit dem Unterstufenchor legen die Schauspieler einige Gesangseinlagen ein. In anderen Szenen werden sie dabei auch noch von einer Streichergruppe und Blechbläsern unterstützt. Besonderheit: Alle Stücke wurden von LAssin Veronika Schlereth extra für diese Aufführungen komponiert.

Nachdem Alice schließlich den Stöpsel des Tränenmeeres gezogen hat, macht sie noch mit einigen Wunderland-Bewohnern Bekanntschaft, die ihr auch wieder zu ihrer Normalgröße verhelfen, bevor sie schließlich auf die wohl verrückteste Teegesellschaft, die man sich nur vorstellen kann, trifft: Der Hutmacher, ein Hase und die Schlafmaus sind nicht nur drei echte Unikate des Wunderlands, sondern können Alice und dem Zuschauer die ein oder andere Lebensweisheit mit auf den Weg geben: "Nutze deine Zeit! Denn jeder hat nur eine begrenzte Menge davon!", verrät der Hase, als Alice sich schließlich wieder verabschiedet, bekanntlich hat es das Kaninchen ja eilig, nicht dass es noch zu spät kommt.

Komplettiert wurden die musikalischen Darbietungen und überzeugenden Schauspieler durch das überragende Bühnenbild, das vom P-Seminar "Bühnenbild" und den Schülern des gleichnamigen Wahlfachs unter Anleitung von Kunstlehrerin Alexandra Reiter gestaltet wurde.

Schließlich kann das Kaninchen, wenn auch mit Verspätung, seinen Auftrag erfüllen: Es kann der Herzkönigin die Zeit ansagen. Jetzt wird auch klar, warum es auf keinen Fall zu spät kommen wollte: Die Herzkönigin duldet keinen Widerspruch, nicht einmal von ihrem Ehemann, der die Katze von Alice gefunden hat. Da Alice aber der Herrscherin angeblich nicht den nötigen Respekt erweist, bekommt sie nicht einfach ihre Katze zurück, sondern muss zuvor die Königin in "Crocket", der bekanntesten Sportart im Wunderland, besiegen. Zuvor hatte sich noch nie jemand getraut, gegen die Königin zu gewinnen, doch Alice schafft es zusammen mit den anderen Bewohnern des Wunderlands tatsächlich gegen die Herrscherin die Partie für sich zu entscheiden. Sogar der Herzkönig springt ihr zur Seite, als seine Gattin Alice wegen Majestätsbeleidigung anklagen will und ihn als Richter einsetzt: Er spricht Alice frei.

Als sie schließlich wieder mit ihrer Katze das Wunderland verlassen hat, vermisst sie bald wieder die Bewohner von dort und schwelgt in Erinnerungen. Tatsächlich bekommt sie schon wenig später Besuch von ihren neuen Freunden, die extra das Wunderland verlassen haben, um sie aufzuheitern.

Auch dieses Jahr schafften es so die vielen Beteiligten auf, vor, neben und hinter der Bühne wieder mit Bravour, die Zuschauer in das Wunderland der Fantasie zu entführen und zu beweisen, dass Unterstufentheater bei Weitem nicht nur seichte Unterhaltung ist, sondern sich durchaus mit tiefergreifenden Fragen nach Werten wie Freundschaft und Fairness auseinander setzen kann.

 

- Bastian Heinlein