Ein Bike mit Kettensägenmotor

 

Ende vergangener Woche wurde das Frankenwald-Gymnasium offiziell als „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet. Dass das FWG diesen Titel auch zu Recht trägt, macht nicht zuletzt eine Ausstellung von eindrucksvollen Konstruktionen deutlich, die von Schülern eines P-Seminars entwickelt und umgesetzt wurden.

Wenn man derzeit den kleinen Ausstellungsraum zwischen Frankenwald-Gymnasium und Kreisbibliothek betritt, kommt man sich vor wie bei einer der großen Erfinder- und Ideenmesse. Es gibt vom High-Tech-Bollerwagen über ein GoKart im Vollgas-Modus bis hin zum Computer-Programm, das sich aufgrund eines neuronalen Netzes selbstständig beim Bierkopf-Spielen verbessert, alles.

Hinter den jeweiligen Erfindungen stehen die stolzen Ingenieure, denen in dieser Hinsicht ganz klar die Zukunft gehört: 13 Mitglieder des P-Seminars „MINT-Projekte entwickeln und umsetzen“, die zusammen mit ihrer Kursleiterin Doreen Scheler-Eckstein knapp 18 Monate lang an hoch innovativen bis scheinbar verrückten Ideen geplant, getüftelt und gebaut haben.

Gast und zugleich Gastgeber der Ausstellungseröffnung Mitte der Woche war auch Schulleiter Harald Weichert, der sich die insgesamt sechs Projekte von den jeweiligen Oberstufenschülern vorstellen ließ. Das, was er zu sehen bekam, beeindruckte ihn nicht nur, sondern bestätigte auch den Sinn einer Dienstreise, die er wenige Tage zuvor in Richtung München angetreten hatte. Denn dort erhielt der Schulleiter des FWG aus den Händen des Staatssekretärs Georg Eisenreich die Urkunde und somit die offizielle Ernennung des FWG zur „MINT-freundlichen Schule“.

„Unsere Schulen sind von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern. Je früher Talente entdeckt werden, umso gezielter können sie bei ihrer Entfaltung gefördert werden“, erläuterte der Staatssekretär im Rahmen der Auszeichnung in München den Sinn der MINT-Förderung an Schulen. Und gerade bei der beeindruckenden Ausstellung am FWG wurde deutlich, welche wertvolle Rolle diese Schule in diesen Bereichen bereits einnimmt.

„Eure Ausstellung ist eine eindrucksvolle Bestätigung dieser Auszeichnung“, betonte Harald Weichert gegenüber den Mitgliedern des P-Seminars und den anwesenden Gästen, stellte aber auch klar, dass das FWG seit vielen Jahren im MINT-Bereich große Erfolge feiert. „’MINT-freundliche Schule’ klingt nach einer zarten Pflanze. Doch über dieses Stadium sind wir am FWG lange hinaus“, so der Schulleiter, der in diesem Zusammenhang exemplarisch auf die Wahlfächer der „Robotik AG“, der „Netz AG“ und des „FWG-Labors“ einging. Weichert bedankte sich bei den Lehrkräften, die diese Förderung am FWG ermöglichen und überreichte symbolhaft und unter Applaus der Anwesenden die offizielle Hinweistafel einer „MINT-freundlichen Schule“ an Kursleiterin Doreen Scheler-Eckstein.

Die Mathematik- und Informatiklehrerin bedankte sich sowohl bei der Schulleitung und im besonderen Maße bei den zahlreichen externen Partnern aus dem Landkreis für die vielfältige Unterstützung des Projekts. Ziel des P-Seminars waren nämlich nicht nur die Konzeption, der Entwurf und die Umsetzung eines technischen Projektes mit Bezügen zu Lehrplaninhalten des Gymnasiums, sondern auch das Erlernen und Anwenden von Handwerkstechniken (Metallbearbeitung, Schweißen, Schrauben). Hierzu mussten externe Unterstützer gefunden werden, die Zeit oder Geld investierten, um die Projekte zu realisieren.

Der Kursleiterin war dabei die Freude über den Ideenreichtum und die Begeisterung der Schüler noch immer anzumerken. „Bleibt neugierig, bastelt und erfindet weiterhin so fleißig, aber zündet nicht Großvaters Garage an!“, gab sie ironisch den Schülern mit auf den Weg, wohl wissend, dass das ein oder andere Projekt auch durch den ungebremsten Tatendrang der Jung-Ingenieure gekennzeichnet war.

Im wahrsten Sinne des Wortes trifft dies auf das GoKart zu, das von Luca und Marco Troche sowie von Max Hempfling und Hannes Hader gebaut wurde. „Vollgas – oder gar nicht!“ erläuterte Marco rückblickend das Motto dieses Projekts, an dessen Ende in der Tat ein Fahrzeug steht, „das bestimmt 100 Stundenkilometer schafft“, so sein Zwillingsbruder Luca. Ausprobiert haben sie dies noch nicht. „Aber wir haben Kontakte zu einer Teststrecke und werden sehen, wie schnell es wirklich geht“, so Max.

Etwas langsamer, aber keineswegs weniger innovativ fallen da Philipp Gerkes Quadrocopter oder der von Nico Kestel, Kevin Peter und Alexander Rösch entwickelte und dank eines programmierten Algorithmus selbstfahrende Staubsauger aus. 

David Förtschbeck und Jonas Stöcker hatten bei der Konstruktion ihres High-Tech-Bollerwagens mit vielen Hürden zu kämpfen, weil der erste Versuch mit einem zu schnellen Motor schiefging. Letztendlich wurde eine Rahmenkonstruktion selbst entworfen und geschweißt, die Elektronik verlegt und die Lenkung eingestellt. Mindestens genauso viel Aufwand betrieben Romain Schuberth und Jan Fiedler mit ihrem ehemaligen Minibike, das sie zu einem Bike mit Kettensägenmotor umbauten. Auf „mehrere hundert Arbeitsstunden“ bezifferte Romain den immensen Einsatz, der beispielsweise hinter der Integration des Motors in einen viel zu kleinen Rahmen steckte. Zudem mussten die beiden Schüler für die richtige Übersetzung neue Ritzel entwerfen und fräsen. „Es hat enorm viel Spaß gemacht!“, bilanzierte Jan den hohen Aufwand, an dessen Ende ein eindrucksvolles Bike steht.

Bei der Ausstellungseröffnung sind auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe anwesend. Sie signalisieren durch ihr großes Interesse, das mit ihnen bereits die nächste Generation an Jung-Ingenieuren in den Startlöchern steht. Das bestätigt auch ein ganz besonderer Weihnachtsbaum in der Ecke des Ausstellungsraums: Der aus Plexiglas gefertigte und mit LED-Lichtern illuminierte Baum stammt aus dem MINT-Labor der Schule, bei dem sich auffallend viele Mädchen handwerklich austoben.

Die Ausstellung des P-Seminars kann auch beim heutigen Weihnachtsbasar der Schule zwischen 15 bis 18 Uhr besucht werden.

-mts-