„Bahnhof verstehen“ mal anders

 

An drei Abenden präsentierte das Mittelstufentheater des Frankenwald-Gymnasiums das Stück „Verstehen Sie Bahnhof?“ einem begeisterten Publikum.

 

An kaum einem Ort trifft man auf Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, als am Bahnhof: Den Hawaii-Hemd tragenden Mann, der mit seiner gestressten Frau eigentlich nur in den Urlaub will, genauso wie eine Schulklasse oder einen Straßenmusiker.

Aufgemischt wird diese Gruppe dann auch noch von einem Ganoven, der gefälschte Marken-Schuhe verkaufen will und von einem indischen Geschäftsmann, der verzweifelt seinen deutschen Kollegen sucht. In all dem Chaos taucht dann plötzlich noch ein verlorener Koffer auf, in dem sich eine gewaltige Menge an Geld befindet, das mehrmals den Besitzer wechseln wird.

Mit dieser bunten Szenerie, viel schauspielerischem Talent und einer ulkigen Story zauberte das Mittelstufentheater unter der Leitung von Stefanie Aust dem sichtbar begeisterten Publikum nicht nur einmal ein Lachen ins Gesicht. Eine Besonderheit der Komödie ist, dass sie ursprünglich von Peter Reul mit einer Schulgruppe geschrieben wurde und dennoch eine hochkarätige Geschichte von mehreren Einzelschicksalen erzählt, die sich immer mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen. 

Dargestellt wurde das Stück auf der Bühne im Frankenwald-Gymnasium vor einer Kulisse, die eigens von der „Bühnenbild-AG“ unter der Leitung der Kunstlehrerin Alexandra Reiter entworfen wurde. Hier zeigte sich eine weitere Besonderheit des Stücks: Alle Szenen spielten am gleichen Ort, sodass eine beeindruckende, dreidimensionale Konstruktion die Bahnhofshalle lebensnah darstellen konnte—und ganz nebenbei wurden die Bühnenbildner zu Statisten, die den Vorführungen einen zusätzlichen komödiantischen Touch gaben.

Bereits zu Beginn lässt sich Ärger im Bahnhof erahnen, als die gestresste Geschäftsfrau mit ihrem Vater und ihrem Ehemann in den Urlaub fahren will: Ständig klingelt ihr Handy, das sie genauso wenig wie ihr dementer Vater in Urlaubsstimmung kommen lässt. Wie kann da nur ihr Mann so tiefenentspannt mit weißen Tennissocken in den Sandalen und im Hawaiihemd daneben stehen?

Ganz zu schweigen von Robert und Sabine. Sie will natürlich die todschicken Schuhe vom zwielichtigen Händler kaufen, er lieber das Geld sparen, Sabine geht ja oft genug shoppen. Das hält seine Frau natürlich nicht davon ab, die Schuhe trotzdem zu kaufen und noch einen Vertrag bei dem Händler zu unterschreiben, was zu einer eiligen Verfolgungsjagd zwischen Robert und dem Händler führt.

Dann kommen auch noch Fatima und ihre Mutter, die scheinbar die ganze Zeit kurz vor einer Panikattacke steht, denn „sie kann ja nix gut deutsch“, auf den Bahnsteig und suchen ihren Zug, bis das Handy von Fatimas Mutter klingelt und sich ihre Tochter entschließt, dass sie sich ja noch schnell einen Döner holen könnte.

Erst nach einiger Zeit bemerkt ihre Mutter ihr Verschwinden und will ihre Tochter am Info-Stand vermisst melden, muss sich aber hinten anstellen, die Geschäftsfrau sucht ihren dementen Vater, den sie in all der Hektik verloren hatte. Zu allem Überfluss ist auch noch eine Schülerin auf einer Klassenfahrt verloren gegangen, also drängelt sich ihre Lehrerin auch noch vor und heizt so die Stimmung noch weiter auf.

Doch neben all der Hektik auf dem Bahnsteig stellte das Mittelstufentheater auch die andere Seite des Bahnhoflebens dar: Als Fatima vom Döner holen zurück kommt, trifft sie auf den Spanier Romeo, der für Fatima die Liebe ihres Lebens wird. Und auch ihre eigentlich konservative Mutter zeigt sich nach anfänglichem Zögern begeistert: „Ein Spanier! Wie schön!“

Gleichzeitig sucht der deutsche Geschäftsmann Herr Klinker seinen indischen Partner Gupta verzweifelt und lässt dabei seinen Warenkoffer auf dem Bahnsteig stehen. Der wird dann auch von so ziemlich jedem auf dem Bahnsteig gefunden: Romeo und Fatima entdecken den Koffer genauso wie ein Sicherheitsbeamter, der gleich einen Terroranschlag befürchtet. Erst als die Schüler den Koffer finden, wird er am Info-Stand abgegeben. Die Angestellte will den Koffer, in dem sich eine große Menge Geld befindet, dem Musiker geben, der sich seinen Lebensunterhalt mit Rappen auf dem Bahnhof verdient, doch der lehnt dankend ab.

Stattdessen wollen die beiden allen eine Freude machen und alles aus dem Koffer verteilen. Als sie es aber Geld regnen lassen, bemerken die ersten, dass das ja nur Spielgeld ist. Herr Klinker kann das aber aufklären, nachdem er seinen Geschäftspartner unter der Musik „It’s only you…“ endlich gefunden hat: Der Koffer beinhaltet Produkte wie Spielgeld, die er gerne produzieren lassen würde. In der Zwischenzeit ist auch schon der Vater der Geschäftsfrau und die verschwundene Schülerin wieder aufgetaucht, nach und nach lösen sich auch die restlichen Rätsel auf, so dass am Ende alle Bahnhof verstehen.

Den Zuschauern wird wohl der Bahnhof als Ort der Unterschiedlichkeit in Erinnerung bleiben: So viele Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, Berufe, Interessen und Altersstufen treffen an keinem anderen Ort aufeinander, finden sich, erkennen, wer sie eigentlich sind oder sein wollen, und vor allem lernen sie alle, Bahnhof zu verstehen.