Freunde zu Besuch bei Freunden

 

Im Rahmen des Schüleraustauschs zwischen dem Frankenwald-Gymnasium und dem Bibo-Istvan-Gymnasium in Kiskunhalas waren auch dieses Jahr wieder ungarische Schülerinnen und Schüler bei ihren Austauschpartnern in Kronach zu Besuch.

Der Bericht wurde von Bastian Heinlein verfasst. Der Schüler der Q11 ist Chefredakteur der Schülerzeitung „1240“ am FWG. 

Um 7.40 Uhr beginnt der Unterricht in Kronach - auch für ungarische Austauschschüler. Zumindest fast. Da sie aber am Vorabend relativ spät in Kronach angekommen waren, wurden sie und die begleitenden Lehrkräfte am Morgen danach mit leichter Verspätung in der Schule vom Organisator des Ungarnaustauschs, Oberstudienrat Ulrich Heußel, offiziell begrüßt und in das Programm der darauf folgenden Woche eingeweiht: Sie würden nicht nur ein Theaterstück im Landkreis besuchen, in dem eine der Gastgeberinnen sogar mitspielt, und eine von den Schülern selbst organisierte Stadtführung erhalten, sondern die auch „Veste“ in Coburg und natürlich die Festung Rosenberg kennenlernen.

 

Den Auftakt des Besuchs nutzte auch der geschäftsführende Schulleiter des FWG, Alf Merkel, um sich bei den deutschen und ungarischen Lehrkräften für ihren Einsatz zu bedanken und „Herzlich Willkommen, liebe Freunde aus Ungarn“ zu sagen. Diese Selbstverständlichkeit, einander als Freunde zu verstehen, wurde schon an diesem ersten Tag in Deutschland deutlich: Jeder ging offen auf den anderen zu und man tauschte sich sofort miteinander aus.

Wie jedes Jahr stellte Organisator Ulrich Heußel den Schüleraustausch unter ein Leitthema, das sich zwar nicht in Form von klassischem Schulunterricht aufdrängen würde, aber doch einen roten Faden des Besuchs darstellte. Da sich 2017 die Reformation zum 500. Mal jährt, stand das Thema fest, zumal Luther sich eine ganze Zeit lang in der Region aufgehalten hatte.

Zuvor stand aber der traditionelle Besuch im Kronacher Rathaus an, und hier freute sich Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, die Schülerinnen und Schüler begrüßen zu können, zumal er selbst schon mehrmals in Ungarn war und seinen dortigen Amtskollegen, der auch schon Kronach besucht hat, nicht nur kennt, sondern auch als persönlichen Freund sieht. Gerade jetzt seien solche Schülerkontakte besonders wichtig, immerhin stehe der europäische Friede auf dem Prüfstand, merkte das Kronacher Stadtoberhaupt an. „Da ist jeder einzelne gefragt, um diese Prüfung zu bestehen“, so Beiergrößlein.

Ähnlich äußerte sich auch Alf Merkel zu dieser ernsten Seite des Ungarnaustauschs: Seine jugendliche Hoffnung auf die „United States of Europe“ wäre doch etwas voreilig gewesen, musste er zugeben. Doch gleichzeitig zeigte er sich hochzufrieden über die herzliche Begegnung zwischen den Schülern aus beiden Ländern, die nur dank der europäischen Idee von Gemeinschaft und Solidarität so möglich sei. Der Schüleraustausch zwischen FWG und dem Bibo-Istvan-Gymnasium gründet letztlich auf der Städtepartnerschaft zwischen Kronach und Kiskunhalas und ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil dieser Partnerschaft, um die langjährige Freundschaft aufrechtzuerhalten.

Im Anschluss an den Besuch im Rathaus ging es weiter zur Festung Rosenberg, wo alle Beteiligten eine kurzweilige Führung durch das Wahrzeichen Kronachs erhielten. Hier zeigte sich, wie gut man doch miteinander auskommt, auch wenn man nicht die gleiche Muttersprache spricht. Mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Ungarisch wurde die Geschichte der Festung im Dreißigjährigen Krieg genauso wie die Bedeutung von typisch deutschen Regeln wie „Durchgang verboten“ geklärt. Die Festung und vor allem der freundschaftliche Empfang in Kronach begeisterte einige der ungarischen Gäste so sehr, dass man sich sicher war: „Das wird die perfekte Woche des Jahres“. Und mit dieser Einschätzung lagen sie goldrichtig – das zeigte sich in den sich anschließenden Tagen.

Bastian Heinlein