Fantastische Unterwasserwelten am FWG

 

Knapp hundert Mitwirkende des Unterstufentheaters am Frankenwald-Gymnasium verzaubern mit zwei unterschiedlichen Besetzungen an vier Abenden die Besucher mit dem Stück „Die kleine Meerjungfrau“ nach der Vorlage von Hans Christian Andersen

 

Der Bericht wurde von Bastian Heinlein verfasst. Der Schüler der Q11 ist Chefredakteur der Schülerzeitung „1240“ am FWG.

 

Kronach. Einmal die Menschenwelt sehen. Das ist der große Wunsch der Meerjungfrau Marina, der jüngsten Tochter von Mauritius, dem König der Meere. Doch ihr Vater ist besorgt um sie: Er will seine Tochter nicht den Gefahren der Menschenwelt aussetzen, sondern in seiner friedlichen Unterwasserwelt beschützen.

 

Marina ist die Protagonistin des Stücks „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen, das vor kurzem insgesamt viermal am Frankenwald-Gymnasium Kronach aufgeführt wurde. Dabei schafften es die Darsteller des Unterstufen-Theaters unter der Leitung von Studienrätin Stefanie Huber auf beeindruckende Art und Weise, ihre zahlreichen Zuschauer in die sagenumwobene Unterwasserwelt zu entführen. „Auch dieses Jahr war das Interesse unter den Schülern, am Theater mitzuwirken, wieder so groß, dass zwei vollkommen unterschiedliche Besetzungen auftreten konnten“, hatte sich die Regisseurin bereits im Vorfeld gefreut.

Aber nicht nur die Schauspieler überzeugten voll und ganz, sondern auch die Musik sorgte bereits zu Beginn für Gänsehaut und ließ einen vergessen, dass man ja in einem Gymnasium und nicht in einem Theater am Broadway sitzt.

Dieser stimmige Eindruck wurde komplettiert vom atemberaubendem Bühnenbild, das unter der Leitung der Kunstlehrerin Alexandra Reiter von der „Bühnenbild-AG“ entworfen und gebaut wurde. So erhielten die vielen Schauplätze des Stücks ihren ganz eigenen Flair - egal ob unter Wasser in der Höhle der Meerhexe Medusa oder an Land vor dem Schloss des Prinzen, in den Marina sich verliebte, als sie eines Tages ihrer Neugier nachgab und nach oben schwamm, um die Feier auf seinem Schiff zu bestaunen.

Das plötzliche Interesse seiner Tochter an der Menschenwelt passt Marinas Vater Mauritius gar nicht. Er ist außer Rand und Band, als er davon hört, dass sich die schönste und jüngste seiner Töchter den Menschen aussetzt, die er so sehr fürchtet. Immer wenn der Meerkönig wütend ist, verursacht er auf der kleinen Studiobühne des FWG schreckliche Seebeben und hohe Wellen, die das Schiff des Prinzen, das Marina beobachten wollte, zum Kentern bringen.

Statt ihrem Vater nachzugeben, schwimmt Marina mit ihrer besten Freundin Blubb nach oben, um ihre große Liebe vor dem Ertrinken zu retten. Als Marina den Prinzen an Land gebracht hat, stellt sie fest: „Er ist mein Lieblingsmensch“. Doch bevor er sich von seiner Ohnmacht erholen kann, müssen die beiden wieder in die Unterwasserwelt zurückkehren, um nicht entdeckt zu werden, da eine Prinzessin kommt.

Der Kuss reicht Marina aber nicht, sondern hat sie nur bestärkt, ein richtiger Mensch werden zu wollen. Das will die böse Meerhexe Medusa ausnutzen. Sie bietet an, Marina in einen Menschen zu verwandeln - aber zu gefährlichen Bedingungen: Marina verliert ihre Stimme und stirbt, wenn der Prinz eine andere Frau heiraten will.

An Land entdeckt der Prinz immerhin Marina, erkennt aber nicht, wen er da vor sich hat. Und auch der Hofmarschall des Prinzen präsentiert die Prinzessin, die ihn am Strand gefunden hat, als Retterin, die der Prinz heiraten soll - sehr zur Freude der Medusa. Es scheint, als hätte Marina alles verloren – um ihren Prinzen am Ende mit Hilfe ihrer Schwestern und dank der Einsicht ihres Vaters doch noch für sich zu gewinnen.

In seiner Darbietung konnte das Unterstufentheater aber nicht nur die Liebesgeschichte zwischen Marina und dem Prinzen überzeugend darstellen, sondern auch die Seiten des Märchens, in denen Andersen die Gesellschaft kritisch betrachtet, dem Zuschauer näher bringen. Nicht alle Menschen sind so böse, wie Mauritius vermutet: Die Prinzessin, um deren Hand Prinz Max anhält, gibt beispielsweise bereitwillig zu, nicht die Retterin zu sein.

So erkennt Mauritius, dass sein pauschales Urteil über die Menschen doch etwas voreilig war, kurz bevor sich der Vorhang schließt und der tosende Applaus des Publikum nach allen vier Aufführungen zeigt, was für einen tollen Auftritt die Schauspieler und das Team vor und hinter den Kulissen da abgeliefert haben.

Ein großes Lob erhielt die gesamte FWG-Theatergruppe dann auch noch von einem echten Profi: Anja Dechant-Sunby, Regisseurin der Rosenberg-Festspiele in Kronach, wohnte der Premiere bei und zeigte sich tief beeindruckt. „Das fantasievolle Bühnenbild mit einer Fülle an bezaubernden Details, die tolle technische Umsetzung, die wunderschöne Figurenregie mit witzigen Einfällen und vor allem die tollen, jungen begabten und kreativen Darsteller haben mich restlos begeistert“, so die Regisseurin.

Bastian Heinlein

 

Hauptrollen:

Marina: Janina Hellgeth / Miriam Ginevrino

Mauritius: Maximilian Völk / Timo Dütsch

Prinz Max: Nico Schneider / Philipp Hoderlein

Prinzessin Isabella: Anna-Sophia Beyer / Laura Sophia Rampacher

Hofmarschall: Emily Pötzinger / Greta Seubert

Blubb: Kiara Richter / Lilo 

Medusa: Gina Marie Graf / Melissa Muchambetov