Junge Medienexperten als Präventionshelfer

 

Die nächste Generation der „Medienscouts“ wurde ausgebildet / Von Passwortsicherheit bis zu den Gefahren der sexuellen Gewalt im Internet

 

Durch gezielte Prävention Opfer des falschen Umgangs mit den neuen Medien verhindern. Dieses Ziel haben sich knapp 100 Schülerinnen und Schüler und deren betreuende Lehrkräfte aus Oberfranken auf die Fahnen geschrieben, die an zwei Ausbildungstagen in Lichtenfels für diese verantwortungsvolle Rolle ausgebildet wurden. Hierzu zählten auch Vertreter des Frankenwald-Gymnasiums, des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums und der Gottfried-Neukam-Mittelschule in Kronach. Nach ihrer Ausbildung dürfen auch sie nun offiziell den Titel der „Medienscouts“ tragen, die ihr Wissen an ihren Schulen weitergeben und ab sofort als Ansprechpartner und Präventionshelfer auftreten. Verantwortlich für die Ausbildung der Medienscouts war die Opferhilfe Oberfranken (OHO), die hierfür ein hoch informatives Programm auf die Beine gestellt hatte. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler von anerkannten Experten und somit aus erster Hand, wo etwa die Gefahren in Bereich der Passwortsicherheit, der sexuellen Gewalt und des Urheberrechts liegen. Höhepunkt der Veranstaltung war der abschließende Vortrag des Psychologen und deutschlandweit bekannten Islamismus-Experten Ahmad Mansour, der über Anwerbestrategien des Salafismus informierte und den Jugendlichen zugleich Wege aufzeigte, wie man dessen menschenverachtende Ideologie entlarven kann.

 

Doch nicht nur aufgrund des Vortrags von Ahmad Mansour durfte sich das Team der OHO mit ihrem 1. Vorsitzenden Alfons Hrubesch über die zwei gelungenen Ausbildungstage freuen. Denn die Medienscouts sorgen an der Schule und somit vor Ort dafür, dass im Umgang mit den neuen Medien Unwissenheit und Schweigen potenziellen Tätern nicht länger in die Hände spielen. „Damit folgt ihr unserem Verständnis von Opferhilfe: Durch das Ansprechen von Problemen und möglichen Gefahren können viele Konflikte aus der Welt geschafft werden, bevor sie überhaupt entstehen“, erläuterte Peter Bürgin, 2. Vorsitzender der OHO, den Schülerinnen und Schülern die Zielausrichtung der zweitägigen Ausbildung.

Und wie vielseitig und vielschichtig diese Probleme im Umgang mit den neuen Medien ausfallen können, erfuhren die Medienscouts an diesen beiden Tagen.

Besonders eindrücklich war hierbei der Vortrag von Alex Stern aus Nordrhein-Westfalen, der dem Betroffenenrat für Fragen des sexuellen Missbrauchs angehört. Er musste am eigenen Leib erfahren, welch verheerende Folgen Cyber-Mobbing nach sich ziehen kann. „11 Prozent aller Jungen und 19 Prozent aller Mädchen haben schon einmal ein Nacktfoto von sich über soziale Medien verschickt. Was zunächst als ein Liebesbeweis für den Partner verstanden wird, kann ganz schnell zum Bumerang werden, wenn diese Fotos plötzlich für alle öffentlich zugänglich gemacht werden“, erläuterte der Pädagogikstudent beispielsweise das immer häufiger auftretende Phänomen des sogenannten „Sextings“. „Macht euren Mitschülern die fatalen Folgen einer solchen unbedachten Tat deutlich“, appellierte Stern an die Medienscouts, indem er ihnen auch vermittelte, wie man einem Sexting-Opfer zur Seite stehen kann.

Eine weitere immer häufiger auftretende Gefahr ist die Sucht bei Computer- oder Online-Spielen. Hierzu referierte Dr. Niederhofer, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bayreuth, und machte unter anderem auf Gründe und Folgen der Spielsucht aufmerksam.

Am zweiten Tag der Ausbildung standen weitere wichtige Grundlagen der kompetenten Mediennutzung auf dem Programm. Veit Schott, medienpädagogisch-informationstechnischer Berater für die Grund- und Mittelschulen, gab zum Beispiel Tipps für das Erstellen eines sicheren Passwortes und ging auf die Gefahren ein, die von Fake-Profilen und sogenannten Phishing-Mails ausgehen, die lediglich das Ziel haben, an persönliche Daten eines Internet-Nutzers zu gelangen.

„Hasskommentare oder Beleidigungen bei Facebook nur zu teilen, ist bereits eine Straftat“, erläuterte wenig später Ralf Popp. Der Kriminaldirektor der Kriminalinspektion Bamberg  machte die Medienscouts unter anderem auf Persönlichkeits-, Urheber- und Identitätsrechte im Netz aufmerksam und beantwortete zahlreichen Fragen der engagiert mitdiskutierenden  Schülerinnen und Schülern. „Der scheinbar so grenzenlose Raum des Internets hat eben doch seine Grenzen“, lautete hier das Fazit.

Auch der zunehmenden religiös begründeten Radikalisierung Jugendlicher über das Netz trug das Ausbildungsprogramm Rechnung. Neben dem Vortrag von Mustafa Ayanoglu, der auf Angebote an Jugendliche einging, damit sie für ideologische Ansprachen im Netz sensibilisiert werden, stand hier vor allem der abschließende Vortag des Islamismus-Experten Ahmad Mansour im Mittelpunkt des Interesses. Ihn für die Veranstaltung gewinnen zu können, durften sowohl die Medienscouts als auch die erst seit 2016 existierende Opferhilfe Oberfranken als Anerkennung ihrer Arbeit und somit als großen Erfolg verstehen. Immerhin durfte das OHO-Team um Alfons Hrubesch auch zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft zu Mansours Vortrag im Myconiushaus der Evangelischen Kirchengemeinde in Lichtenfels begrüßen. In seinem fast zweistündigen und sehr persönlichen Vortrag über die Anziehungskraft und Anwerbestrategien des Salafismus über das Internet fesselte der Berliner Kinder- und Jugendpsychologe alle Anwesenden. „Die Dschihadisten sind nur Spitze des Eisbergs. Wir haben es mittlerweile mit der ‚Generation Allah’ zu tun, die mit scheinbar einfachen Botschaften in einer immer komplexeren Welt versucht, vor allem Einfluss auf orientierungslose Jugendliche zu nehmen“, so Mansour. Im Argumentieren und Diskutieren sieht er den Schlüssel und zugleich den Auftrag der Schulen, das über den Islamismus propagierte Schwarz-Weiß-Denken zu entlarven. „Doch seid euch bewusst: Diese Gruppe spricht im Netz ganz bewusst eure Sprache und will euch damit für ihre menschenverachtenden Botschaften gewinnen“, so Mansour gegenüber den Medienscouts, mit denen er immer wieder engagiert ins Gespräch kam.

-mts-

 

Bildunter (Mansour): Mit Ahmad Mansour konnte die „Opferhilfe Oberfranken“ (OHO) unter dem Vorsitz von Alfons Hrubesch einen der bekanntesten Islamismus-Experten Deutschlands für die Ausbildung der Medienscouts an den weiterführenden Schulen im Landkreis gewinnen. In seinem fesselnden Vortrag informierte er über die Ursachen jugendlicher Radikalisierung und erläuterte zugleich, warum man im Kampf gegen den religiösen Extremismus umdenken müsse. Foto: mts