„Mit Eltern hat man es nicht leicht!“

 

Mit über 100 Mitwirkenden auf und neben der kleinen Studiobühne des Frankenwald-Gymnasiums verzaubern die Unterstufenschüler mit zwei unterschiedlichen Besetzungen und unter der Regie von Stefanie Huber an vier Abenden die Theaterbesucher mit einer hinreißenden Umsetzung von Erich Kästners Kinderroman „Das doppelte Lottchen“

Gewisse Veränderungen sind ihnen durchaus aufgefallen, doch eine Erklärung dafür haben sie zunächst alle nicht. Weder die übereifrigen Pädagogen, noch die besten Freundinnen – und selbst die Eltern können sich nicht erklären, warum die sonst so brave Lotte plötzlich kräftig austeilen kann und die draufgängerische Luise zu Hause mit anpackt und in der Schule mit einer tollen Handschrift punktet. Nach und nach lüftet sich das Geheimnis, und am Ende schaffen es Lotte und Luise sogar, ihre Familie wieder zu vereinen.

 

Seit 1949 begeistert Erich Kästner mit seinem Roman „Das doppelte Lottchen“ Jung und Alt. In der letzten Woche war das am Frankenwald-Gymnasium nicht anders. Da präsentierte die Theatergruppe der Unterstufe an insgesamt vier Abenden die bekannte Erzählung in der Bühnenfassung von Henning Bock Popig und entführte somit die zahlreichen Besucher in das bunte Leben im Ferienheim in Seebühl und die nur scheinbar heile Welt der Erwachsenen.

Dabei meisterte die junge Schauspielgruppe so manch logistisches Problem: „In diesem Jahr hatten sich noch mehr Schauspieltalente der 5. bis 7. Klassen als im Vorjahr gemeldet“, so Regisseurin Stefanie Huber. Die Lösung lag auf der Hand: Kästners modernes Abenteuermärchen wurde am FWG in zwei komplett unterschiedlichen Besetzungen aufgeführt. Die Folge: An allen vier Abenden begeisterten die jungen Schauspiel-Talente ihr Publikum. „Der damit verbundene Mehraufwand an Probenarbeiten hat sich auf alle Fälle gelohnt. Ich bin hochzufrieden!“, so eine strahlende Stefanie Huber nach den Aufführungen.

Unterstützung erhielt die Studienrätin auch in diesem Jahr wieder von der „Bühnenbild AG“ unter der Leitung von Kunstlehrerin Alexandra Reiter. Mit eindrucksvollen Kulissen und liebevollen Requisiten und Kostümen entführte man die Zuschauer an die unterschiedlichsten Schauplätze, angefangen mit dem Ferienheim für Kinder in Seebühl am Bühlsee. Da stehen sich plötzlich zwei Mädchen gegenüber, die sich
zum Verwechseln ähnlich sehen! Nach anfänglichen ‚Zickereien’ wird Luise und Lotte klar: Sie sind Zwillinge, die als Kleinkinder nach der Scheidung der Eltern getrennt wurden. Lotte wuchs bei der Mutter in München auf und Luise beim Vater in Wien. Doch warum haben ihre Eltern sie einander verschwiegen? Um alle Rätsel ihrer Verwandtschaft zu lösen, beschließen Lotte und Luise die Rollen zu tauschen und so ihre zerrissene Familie wieder zusammenzuführen. Die draufgängerische Luise fährt zur unbekannten Mutter nach München, die brave Lotte zum Vater nach Wien. Kein Elternteil bemerkt den Rollentausch. So stellt das Verwechslungsspiel die wohlgeordnete Welt der Mutter ebenso auf den Kopf wie das chaotische Künstlerleben des Vaters, dessen sich anbahnende Ehe mit der kaltherzigen und kinderfeindlichen Irene Gerlach die beiden Zwillinge gerade noch verhindern können.

Doch neben dieser unterhaltsamen Seite präsentierte das Unterstufen-Theater auch die kritischen Töne von Kästners Roman. „Schöne Eltern haben wir da!“, resümieren Luisa und Lotte, als sie sich über ihre Biographie im Klaren sind. Später, als sie in Wien beziehungsweise München ihre Eltern aufsuchen, bemerken sie schnell: „Der Vater will nicht und die Mutter kann nicht zu Hause arbeiten!“ Das Ergebnis ist dasselbe: Die Eltern sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie noch Zeit für den Nachwuchs hätten. Und auch ein Blick in das Ferienheim macht deutlich: Mit ihrem Schicksal als Scheidungskinder stehen Lotte und Luise nicht alleine da. Da hilft es, wenn man sich gegenseitig Trost spendet. Von den Eltern fehlt hingegen jede Spur.

Und auch die Pädagogen bekommen ihr Fett weg: Die machen sich eher Gedanken über den Zusammenhang von Handschrift und Seelenzustand der Kinder, als sich um die Kinder selbst zu kümmern.

Am Ende feiern Luisa und Lotte ihren Geburtstag zusammen mit Vater und Mutter. Die Nebenbuhlerin Irene Gerlach hat die Flucht ergriffen. Und auch wenn die Wirklichkeit nicht immer ein derart harmonisches Ende parat hat, macht die Aufführung Mut und Freude zugleich. Das verdeutlicht auch der Applaus an allen vier Abenden, mit dem sich das Publikum bei den Schauspielern und dem großen Team im Hintergrund bedankte.

-mts-

 

Hauptrollen:

Lotte: Luisa Wicklein / Chiara Mitter

Luise: Katharina Schuster / Lara Stägemeier

Vater: Jule Ditsche / Salome Tautorat

Mutter: Julia Franke / Alicia Krause

Frau Muthesius: Anne Schelhorn / Carina Rädisch

Herr Ulrich: Hannah Jakob / Timo Dütsch

Irene Gerlach: Arta Sopjani / Lea Sophie Thüroff

Resi: Lara Panzer / Inga-Carina Zänker

Anni Habersetzer: Maren Haderlein / Kristina Gremer