Kronach. „O Muse des Feuers, gäbe es dich doch, auf dass du steigst empor in den hellsten Himmel der Phantasie!“ Die Zeilen, angelehnt an Shakespeares Prolog aus seinem Historiendrama „Heinrich V.“, gehen dem13jährigen Lukas Fischer leicht über die Lippen. Immerhin darf Lukas diese anspruchsvollen Verse gleich mehrere Male voller Inbrunst an sein staunendes Publikum richten. Shakespeare spielt er aber nicht. Vielmehr schlüpft der Gymnasiast in die Rolle des „weisen Mannes“, der die jeweiligen Akte des Theaterstücks „Von der Macht es besser zu machen“ von Marc Siebentritt eröffnet. Lukas wird somit zum Erzähler im Brechtschen Sinne und ein wichtiger Bestandteil der beiden Aufführungen der Schauspielgruppe des Frankenwald-Gymnasiums auf der kleinen Studiobühne des FWG. Am vergangenen Wochenende feierte Lukas zusammen mit seinem Schauspielkollegen aus den 7. bis 9. Klassen und unter der Leitung von Andreas Dengler im Rahmen der beiden Auftritte einen bemerkenswerten Erfolg.

„An dem Stück Siebentritts gefällt mir besonders die Mischung aus ernstem Kern und lustiger Umrahmung,“ weiß Lukas – immerhin der Jüngste der Schauspielgruppe - bereits kurz vor der Aufführung zu berichten. Damit trifft er auch gleich des Pudels Kern, denn das Theaterstück für Kinder beinhaltet in der Tat ein ernstes Thema, das aber altersgemäß umgesetzt wird und am Ende mit einer versöhnlichen Botschaft aufwarten kann. Immerhin sind drei Außerirdische (Jill Werner, Rebecca Göll, Vanessa Schwarz) auf die Welt gereist, die aufgrund der beobachteten Bosheit und Grausamkeit der Menschen fest entschlossen sind, die Erde zu zerstören. Allerdings treffen sie dabei auf vier Kinder (Lea Blinzler, Johanna Thron, Lucie Schindhelm, Carolin Hanuschke). Sie sind schockiert von den Plänen der „Aliens“, schaffen es aber, diese zu einer Art Wette zu überreden. Gelingt es ihnen zu beweisen, dass die Welt nicht ausschließlich schlecht ist, sondern auch Positives zu bieten hat, wird die Welt verschont. Die Absichten der Kinder klingen ehrenhaft, doch vor allem das Verhalten und die Absichten der Erwachsenen machen dieses Unterfangen zu einem wahren Himmelfahrtskommando. In allererster Linie liegt das an den beide Lehrerinnen Frau Unterhuber (Nadja Büttner) und Frau Obermeier (Christine Borger), die sich aufgrund ihrer dubiosen pädagogischen Maßnahmen wenig Freunde gemacht haben. So sind sie auch nicht ganz unschuldig an der zweifelhaften „Karriere“ der beiden Bankräuber Fred (Andreas Kornnagel) und Walter (Niklas Löffler). Da diese aber sowohl in der Schule als auch bei der Planung eines Banküberfalls nur wenig taugen, geht von ihnen kaum Gefahr aus. Die Aliens beobachten all dies und können nur mit dem Kopf schütteln. Das wird auch nicht besser, als die beiden ebenfalls etwas dümmlich aber dafür umso schießwütiger wirkenden Soldaten (Christian Hofmann, Marcel Müller) die Bühne betreten. Eigentlich sind auch sie aufgrund ihrer geistigen Beschränktheit wenig Furcht erregend. Gefährlich wird es erst, als sie zum „Hilfsmittel“ der beiden korrupten Politikerinnen werden. Diese tragen die Namen „Murks“ (Eva Geiger) und „Pfusch“ (Anna-Lena Kertsch), was leicht erkennen lässt, dass auch sie nur wenig Ehrenhaftes im Sinn haben. Und so verwundert es nicht, als Politikerin Pfusch verkündet: „Wir schicken unsere Soldaten los, machen ein bisschen Krieg, und schon hat das Volk unser Fehlverhalten und das verloren gegangene Geld vergessen.“ Es sind genau diese Zeilen, die dem vergnügten Publikum das Lächeln ein wenig gefrieren lassen, denn bei aller kindgerechter Aufmachung offenbart Siebentritts Theaterstück gerade hier seine brisante Aktualität. Die Auflösung fällt hingegen deutlich „fantastischer“ aus. Auch wenn der „Travestie-Auftritt“ von Bankräuber Walter bei den Außerirdischen und im Gegensatz zum Publikum für wenig Begeisterung sorgt, so ist es doch das Bemühen der „guten“ Kinder, das die Außerirdischen letztendlich davon überzeugt, dass es das „Gute“ auf der Welt eben doch gibt – verkörpert durch die Kinder. Sie können die Pläne der Außerirdischen nicht nur verhindern, sondern diese auch überreden, mit den Waffen der Soldaten das Grundübel alles Bösen abzuschaffen. Hier verraten die Außerirdischen auch den Ursprung ihrer himmlischen Mission – immerhin wurden sie von einem „Boss“ geschickt, der bereits vor etwa 2000 Jahren die Erwachsenen ermahnt hat, so wie die Kinder zu werden. Letztendlich ist es aber wieder Lukas Fischer im Gewand des „weisen Mannes“ der die Moral an das sichtlich begeisterte Publikum sendet: „Wir verdanken das Überleben der Welt den Kindern nur, die Erwachsenen haben nichts gelernt, nö, keine Spur. Eine Bitte hab’ ich noch, so scharf wie das Messer: Macht’s nicht wie die Großen, macht’s besser!“


Schulleiter Dr. Klaus Morsch zeigte sich von der Botschaft des Theaterstücks und der schauspielerischen Leistung aller Beteiligten sehr beeindruckt und dankte darüber hinaus Spielleiter Andreas Dengler für das große Engagement. Das Gleiche galt der AG Bühnenbild unter der Leitung von Oberstudienrätin Alexandra Reiter sowie Lorenz und Felix Wich und Sebastian Dietz von der Technik, die für den gelungenen Rahmen der Abendveranstaltungen gesorgt hatten.
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