Kronach. Wenig heldenhafte, dafür aber zwischenzeitlich rappende Ritter und ein recht resolutes Burgfräulein bekamen in der vergangene Woche diejenigen Zuschauer geboten, die sich zu den insgesamt drei Vorstellungen von „Die Abenteuer des Ritter Rost“ als Abfolge der Kindermusicals „Ritter Rost“, „Ritter Rost und die Hexe Verstexe“, „Ritter Rost und die Räuber“ und „Ritter Rost und das Gespenst“ auf der Schulbühne des Frankenwald-Gymnasiums eingefunden hatten. Die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe präsentierte unter der Gesamtleitung von Oberstudienrat Hans Rosanowski vergnügliche Stationen im Leben des von Jörg Hilbert und Felix Janosa geschaffenen Kinderstars, die dank der liebevollen Art der Inszenierung auch die Erwachsenen begeisterten.

„Die Abenteuer des Ritter Rost“ lebten nicht nur von den darstellerischen Fähigkeiten der jungen Schauspieler, sondern vor allem auch durch die ungemein aufwändige Art der Inszenierung, an der zahlreiche Teile der Schulfamilie des FWGs beteiligt waren. Besonders großen Eindruck hinterließen die liebevoll gestalteten Kostüme und das eindrucksvolle Bühnenbild. Getreu dem Motto „Alles Schrott“ hatte Kunstlehrerin Alexandra Reiter zusammen mit den Mitgliedern ihres Bühnenbildkurses und Schülerinnen und Schülern des Grundkurses Kunst mit viel Liebe für das Detail Kulissen und Kostüme hervorgezaubert, die es den Zuschauern tatsächlich ermöglichten, in die Welt der Burgen, Ritter und Drachen einzutauchen. Einen Eindruck dieses hohen Aufwands gewann man beim Gang durch die Pausenhalle, wo eine kleine Ausstellung einen großen Einblick in die arbeitsintensiven Vorbereitungen vermittelte. Das Etikett „FWG-Gemeinschaftsprojekt“ erhielten die Vorstellungen aber nicht zuletzt auch durch die beiden Musiklehrerinnen Christiane Stömer-Rauh (Klavier) und Stephanie Simon (Leitung des Unterstufenchors), die den Abenteuern des Ritter Rost gekonnt und mit eingängigen Melodien den Musical-Charakter verliehen. Zudem bewiesen die Darsteller auch tänzerische Qualitäten, für die sich Sportlehrerin Petra Höpp verantwortlich zeigte. Für die passende Beleuchtung sorgten drei Schüler des AK Technik: Felix und Lorenz Wich sowie Sebastian Dietz.
Bereits beim ersten Öffnen des Bühnenvorhangs ging im Angesicht der eindrucksvollen Burganlage, versehen mit einem Ritter-Roboter (Lucie Schindhelm) und einem sprechenden Hut (Johanna Thron) ein Raunen durch das Publikum, das aber wenig später auch erkennen musste, dass der dort lebende Burgherr wenig Heldenhaftes in sich trägt: Titelheld Ritter Rost (Christian Hofmann) ist trotz seiner Verhaltensweisen eines unbequemen Patriarchen eher ein ängstlicher und weinerlicher Vertreter seiner Zunft, dem mit dem Burgfräulein Bö (Lena Eidloth) aber eine resolute Dame zur Seite steht, die in der Burg die Hosen beziehungsweise die Ritterrüstung anhat. Sie ist es auch, die den Ritter trotz seiner Angst vor dem Mundgeruch des Feuer speienden Drachens zum Besuch einer Zirkusvorstellung überredet, bei dem sie dann auf den besagten Drachen Koks (Andreas Kornagel) treffen. Dieser setzt bei seiner Vorstellung auch gleich den Zirkus in Brand, bricht daraufhin aus, wird aber gleich wieder gefangen genommen und vom Burgfräulein auf die Burg gebracht. Ritter Rost ist davon wenig begeistert, allerdings zeigt sich auch, dass Drache Koks wie sein neuer Hausherr doch recht wehleidig ist. Das Burgfräulein kümmert sich einerseits fürsorglich um ihn, erinnert ihn aber zugleich an seine häuslichen Pflichten. Dass dazu auch der „Sozialdienst“ (Heckenschneiden) bei Hausmeister Bernhard Geiger zählt, belegte augenzwinkernd die Tatsache, dass Spielleiter Hans Rosanowski immer wieder auch Parallelen zum Schulleben am FWG aufzeigen wollte.
Für Ritter Rost und den Drachen Koks stellte sich im Bezug auf das Burgfräulein aber immer mehr die Frage, wer denn hier der eigentliche „Hausdrache“ sei.
Gemeinsam erleben die drei Protagonisten im weiteren Verlauf zahlreiche Abenteuer. Dazu zählt auch die Begegnung mit der Hexe Verstexe (Anna-Lena Kertsch), die nur allzu gerne den Drachen für sich in Anspruch nehmen will, der Burgherr lässt sich aber auf das Tauschgeschäft mit einer Spieluhr (Carolin Hanuschke) nicht ein. Dem Drachen wird das alles zu viel. Er flüchtet aus der Burg, um anschließend über Umwege und durch die Hände dreier Räuber (Nadja Büttner, Eva Geiger und Jill Werner) doch noch in den Armen der Hexe zu landen. Wieder einmal ist es der Scharfsinn des Burgfräuleins, der die Hexe besiegt und die Rückkehr auf die Burg ermöglicht. Dort angekommen, verfinstert sich die Laune des Ritters Rost zunehmend. Drache Koks hat längst seinen Platz auf dem Thron eingenommen und als dieser den Ritter auch noch als Putzfrau verkleidet, ist es diesmal Ritter Rost, der die Flucht antritt. Sein Ziel ist eine Spielbank, bei der eben auch auf einen verkleideten „Geld-Drachen“ trifft. Vom emanzipierten Burgfräulein gibt es hierfür erst einmal eine saftige Backpfeife.
Am Ende kann Ritter Rost dann aber doch noch seinen Heldenmut unter Beweis stellen. Er tritt bei dem von König Bleifuß dem Verbogenen (Marcel Müller) veranstalteten Ritterturnier an. Lohn für die Mühen ist der Gewinn eines Burggespenstes (Vanessa Schwarz), mit dem der Drache Koks kurz zuvor noch Freundschaft geschlossen hatte. Für beste Unterhaltung sorgt aber der König selbst, der seinem Verhalten nach eigentlich den Namen König „Schnapsdrossel“ verdient gehabt hätte. Seine Begrüßungsrede wurde vom Publikum mit lautstarkem Applaus bedacht. Gleiches galt für die Rap-Einlage durch die königlichen Hofschreiber Ratzefummel (Rebecca Göll) und Tintenkiller (Nathalie Kragler), an deren Ende der viel umjubelte Sieg von Ritter Rost beim Turnier und der herzliche und begeisterte Schlussapplaus durch das beeindruckte Publikum stand.
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